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Berufsfindungsjahr (BFJ) mit Trainings- & Orientierungswerkstatt (T&O)


1. Zweck

Neu ins Landheim eintretende Jugendliche verfügen nicht immer über die für die Ausbildungs- und Arbeitswelt nötigen Ressourcen. Sie sind meist noch nicht in der Lage, den Anforderungen einer Berufsausbildung gerecht zu werden und wissen nicht, wo ihre Interessen und Fähigkeiten liegen, um eine passende Berufswahl treffen zu können. Ihr Sozialverhalten ist ungenügend ausgebildet. Eine Mehrheit kann aufgrund ihrer mangelnden Schulbildung keine Volllehre absolvieren und muss für die Grundausbildung mit Berufs-Attest, für eine Anlehre (solange solche noch möglich sind) oder in Einzelfällen für eine erstmalige berufliche Ausbildung im Sinne der IV vorbereitet werden.

Ihre Mitarbeit in den internen Werkstätten und Betrieben ist aufwändig; aufgrund ihrer oft noch gering ausgebildeten sozialen und beruflichen Fähigkeiten stellen sie eine spezielle betreuerische Herausforderung und für die Produktivität der Betriebe eine erhebliche Belastung dar. Dadurch leidet die Ausbildung der schon in der Ausbildung stehenden Jugendlichen und auch die Produktivität der Betriebe wird stark beeinträchtigt.


2. Das Berufsfindungsjahr (BfJ) mit der Trainings- und Orientierungswerkstatt (T&O)

Neu während dem Jahr eintretende Jugendliche werden in das BfJ aufgenommen. Dieses findet in der T&O sowie in der internen Schule statt. Das BfJ dient dem „Fitmachen“ und als Vorbereitung auf die Berufs- und Arbeitswelt und hilft bei der Wahl eines realistischen Berufswunsches. Trainiert werden einerseits grundlegende soziale Fähigkeiten wie Umgang mit Konflikten, Anstand, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit oder Arbeitshaltung; andererseits handwerkliche Grundfähigkeiten wie Umgang mit und Handhabung von Maschinen und Material und die Fertigung von einfachen, qualitativ einwandfreien Produkten sowie das Einüben einer sauberen und sorgfältigen Arbeitsweise.

Nach erfolgreicher Einübung dieser Basisfähigkeiten folgt die berufliche Orientierung mit Schul- und Berufsabklärung sowie Schnuppern in den diversen internen, in Ausnahmefällen auch externen Berufen.

Während der ganzen BfJ-Phase werden die Jugendlichen im Einzel- oder Kleingruppenunterricht schulisch gefördert.

Wichtig ist eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit aller Beteiligten. Produktivität steht nicht im Vordergrund, hingegen stehen Anforderungen wie Zuverlässigkeit, Verbindlichkeit und Disziplin im Vordergrund. Der Jugendliche soll befähigt werden, eine seinen Fähigkeiten und Interessen entsprechende realistische Berufswahl zu treffen, welche im Rahmen seines Heimaufenthaltes realisiert werden kann.

Das BfJ und die T&O bieten Platz für maximal acht Jugendliche.
 

3. Verlauf des Berufsfindungsjahres BFJ

Ein Eintritt ins Berufsfindungsjahr und damit in die T&O-Werkstatt ist während des ganzen Jahres möglich. Das BfJ dauert je nach Fähigkeit des Jugendlichen maximal ein Jahr. Erst wenn die sozialen und handwerklichen Grundfähigkeiten ausreichend ausgebildet sind, kann in anderen Betrieben oder Werkstätten geschnuppert oder ein vorzeitiger Übertritt in eine Vorlehre vollzogen werden. Ein solch vorzeitiger Übertritt in eine der Lehrwerkstätten ist nur dann möglich, wenn ein Ausbildungsplatz frei und der Lehrvertrag unterschrieben ist. Dies gilt auch bei externer Ausbildung.


4. Arbeitstraining

Der Jugendliche durchläuft in der T&O jeweils am Morgen ein strukturiertes und vorgegebenes handwerkliches Grundprogramm mit Schwerpunkt Holz- und Metallbearbeitung. Die Arbeit beginnt um 8.00h und endet um 12.00h. Weitere Tätigkeitsfelder ausserhalb der Werkstatt sind Umgebungs-, Unterhalt- und Reinigungsarbeiten. Diese Arbeitsfelder können auch von der Gärtnerei oder der Hauswartung angeboten werden.

Das Trainingsprogramm, aber auch das Arbeitstempo, wird den individuellen Fähigkeiten des Jugendlichen angepasst. Durch die Vermittlung von beruflichen Erfolgserlebnissen werden auch die Freude und das Interesse an handwerklicher Arbeit gefördert.


5. Schule

Die interne Schule ist integrierter Teil des BfJ; der Unterricht ist auf das Programm der T&O abgestimmt und die Lehrkräfte arbeiten eng mit dem T&O-Team zusammen. Der Schulunterricht umfasst Förderunterricht als Vorbereitung für den späteren Besuch der öffentlichen Gewerbeschule. Für jeden Jugendlichen wird ein schulisches Leistungsprofil und ein Lernprogramm mit individuellen Schwerpunkten erstellt. Die Schule beginnt um 13.00h und endet um 17.00h. Es wird, je nach aktueller Teilnehmerzahl, in zwei Lerngruppen mit je maximal 4 Jugendlichen unterrichtet.

Für die Schule stehen 120Anstellungsprozente zur Verfügung, wovon 50% dem BfJ (jeden Nachmittag) und 50% den Jugendlichen in Ausbildung (jeden Morgen Stütz- und Förderunterricht sowie Aufgabenhilfe) zugeteilt sind.


6. Sport und Kultur

Das Programm des BFJ umfasst auch wöchentliche Sportlektionen und Bildungsexkursionen (Museen, Ausstellungen etc.). Diese werden grundsätzlich von den Lehrkräften unterrichtet, doch können auch die Mitarbeitenden der T&O beigezogen werden. Möglich sind auch interne oder gelegentlich externe, themenbezogene Kurswochen.
 

7. Personelles

Das Team der T&O-Werkstatt besteht aus zwei Mitarbeitenden. Sie verfügen über eine abgeschlossene Ausbildung im Bereich Schreinerei/Werken oder Metallbau/Schlosserei//Werken. Die AusbildnerInnen der T&O haben Erfahrung im Umgang mit schwierigen Jugendlichen; heilpädagogische Arbeitsweise, Motivations- und Förderungsfähigkeit sind wichtige Kernkompetenzen.

Die Mitarbeitenden des BfJ (Schule und T&O) unterstehen dem Leiter Pädagogik und Ausbildung; dieser koordiniert die Schnupper-Einsätze der Jugendlichen in Absprache mit den Leitern der Ausbildungsbetriebe.


8. Räumlichkeiten

Die T&O ist von den übrigen Betrieben unabhängig und räumlich abgetrennt. Sie umfasst zwei verschiedene Werkbereiche. Diese sind schwerpunktmässig unterteilt in Holz- und Metallbereich mit entsprechenden Einrichtungen und Maschinen. Dadurch ist es möglich, die Jugendlichen in zwei verschiedenen Bereichen und in zwei kleineren Gruppen zu schulen und zu unterrichten.
 

Übersicht Wochenlektionen interne Schule mit Trainingswerkstatt: