Landheim Brüttisellen Caspar Appenzeller Stiftung sozialpädagogisches Jugendheim
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Geschichte des Landheims Brüttisellen

Es ist nicht ganz einfach, sich das Landheim Brüttisellen Mitte des 19. Jahrhunderts vorzustellen. Eben wurde die neue Strasse von Zürich nach Winterthur fertiggestellt und die Fahrgäste der Postkutsche konnten auf just dieser Strecke einige exotische, architektonische Perlen bewundern: unter anderem die Gasthofstätte ‚Schwanen’, heutiges Landheim Brüttisellen. Das vornehme Palais, welches sich stilistisch zwischen den strengen Formen des Spätklassizismus und den gelösteren der Neurenaissance bewegt, wurde vom Zürcher Architekten Wilhelm Waser gebaut. Am neuen Gasthof, mit städtischem Charakter, fielen die grossen Fenster auf, die mit reichem figürlichem und ornamentalem Reliefschmuck verziert waren. So stand denn das auffallende Gebäude bereits 1845 an der wichtigen Verkehrsader. Nur gerade 15 Jahre später ward die neue Eisenbahnlinie Zürich – Romanshorn eingeweiht und die kleinen Ansiedlungen Baltenswil, Brüttisellen und Tagelswangen sanken nach einem kurzen Aufschwung wieder in die ungestörte Ruhe der bäuerlichen Welt zurück und der Landgasthof drohte vergessen zu werden.

Caspar Appenzeller (1820 – 1901)
Wäre da nicht der Caspar Appenzeller gewesen. Caspar Appenzeller wurde 1820 in Zürich, als drittes von vier Kindern, in eine arme Familie geboren. Sein Vater, ein Fischlieferant und Schiffer war im Dorfe verantwortlich für amtliche Schreiben. Sein Sohn trat in dieselben Stapfen und besuchte die Grundschule, anschliessend die Industrieschule und wurde Kaufmann.

Caspar Appenzeller, ein kleiner Buchhalter und Korrespondent, entschloss sich mit 30 Jahren, sich selbständig zu machen. Er wurde Seidenhändler. Nach einigen Jahren legte er das Fundament zur industriellen Produktion und kaufte eine kleine Seidenzwirnerei. Da er nicht genügend Arbeitskräfte fand, kam ihm die Idee, junge Frauen ohne Kostgeld aufzunehmen und sie ihren Aufenthalt im Heim, in der Fabrik, verdienen zu lassen. Dafür richtete er 1857 die Mädchenanstalt Wangen ein.

Damit hatte Caspar Appenzeller den Grundstein für seine fürsorgerische Tätigkeit gelegt. Es ist nicht von ungefähr, dass er diesen Weg einschlug. Sicherlich war die Erinnerung an die eigene Kindheit in Armut eine treibende Kraft. Aber auch die tiefe religiöse Überzeugung. Seinen Besitz begriff er als Verwalter, der einmal Rechenschaft vor Gott ablegen muss. Eine schwere Krankheit liess ihn 1859 das Gelübde ablegen, 2/3 seines Vermögens für wohltätige Zwecke zu verwenden. Daran hat er sich Zeit seines Lebens gehalten. Seine Lebensregel „bete und arbeite“ diente ihm als Erziehungsgrundlage. Die „Erziehung durch Arbeit zur Arbeit „ sollte die Voraussetzung für ein besseres Leben schaffen.

Es folgte der Kauf zweier weiterer Gebäude. Eines wurde 1869 zur ‚Anstalt Tagelswangen’, heutiges Restaurant „Landhus“ und das andere, unfern der Eisenbahnstation gelegenen, 1874 zur Knabenanstalt ‚Zur Heimat’: heutiges Landheim Brüttisellen. Nach über fünfzig Jahren, in denen der Gründer und seine Familie die Anstalten selber führten und finanzierten, wurde am 10. Mai 1930 eine gemeinnützige Stiftung, die CASPAR-APPENZELLER-STIFTUNG mit Sitz in Brüttisellen errichtet.

Das Landheim Brüttisellen zeigte sich als innovativ und fortschrittlich: 1945 wurde es zum ersten halboffenen Heim. Ziel war, die meisten Jugendlichen extern eine Ausbildung absolvieren zu lassen. Seit der Gründung des Landheims Brüttisellen haben fast 2'300 junge Männer hier gelebt. Viele der Grundsätze von Caspar Appenzeller sind im Alltagsleben des Heimes auch heute noch spürbar. Immer noch werden hier Jugendliche auf ihrem Lebensweg ins Erwachsenenleben begleitet und ausgebildet: in unseren internen Betrieben Schreinerei, Schlosserei, Gärtnerei, Recycling, Technischer Dienst, Küche und unseren Partnerbetrieben Malerei und Landwirtschaft werden vielfältige Ausbildungen (EFZ- und EBA-Lehren, Anlehren, IV-Anlehren)  angeboten.

Bauetappen
Nicht nur heute erfreut sich das Landheim Brüttisellen baufreudiger Leitung. Bereits ab 1930 wurden diverse Änderungen vorgenommen. 1931 wurde die Gärtnerei geschaffen. Nach einem Brand (1942/43) wurde der Wiederaufbau genutzt, strukturelle Neuerungen zu ermöglichen. 1950/54 wurde das Haupthaus vollkommen erneuert. In diesem Zusammenhang darf nicht unerwähnt bleiben: bis zu diesem Zeitpunkt haben zirka 45 Jugendliche in zwei langen Bettenreihen im Schwanensaal geschlafen. 1966-71 konnte die Fassade dank der Unterstützung der Denkmalpflege renoviert werden.
Das Bauen und Renovieren macht auch in unseren Zeiten nicht Halt. Im Jahre 2002 wurde der Schwanensaal erneuert. Das wunderschöne Dekor und die Machart lassen vermuten, der Maler beherrschte sein Handwerk bis zur Perfektion. Dekorationsmaler war im 19. Jahrhundert ein sehr angesehener Beruf, der jahrelange und intensive Schulung bei einem Meister voraussetzte. Sie waren nicht Künstler im üblichen Sinne, sondern Kunsthandwerker, die sich an Kupfer- und Holzschnitten inspirierten. Anschauungsbücher dienten als Grundlage zur Auswahl der Bilder. Die Ideallandschaften im Schwanensaal wurden im Jahre 2002 neu restauriert und lassen den Saal in seiner ganzen Pracht neu erscheinen. 

Nach weiteren Renovationen im Haupthaus und in den Wohngruppen stand die Eröffnung des neuen Gewerbezentrums mit der Zusammenlegung von Schreinerei, Schlosserei  und Recycling und der neuen Trainings- und Orientierungswerkstatt (T&O) an. Nach nur knapp einjähriger Bauzeit konnte das Gewerbezentrum im Juni 2009 bezogen werden. Die offizielle Eröffnung erfolgte am 29. Oktober 2009 durch die ehemalige Bundesrätin, Frau Eveline Widmer-Schlumpf.

Im Jahr 2010 wurde der Umbau des alten Werkstattgebäudes in Angriff genommen. Das Gebäude wurde ausgehöhlt und für die zukünftige Nutzung als Schulgebäude zweckmässig umgebaut. Gleichzeitig wurde eine kleine Sporthalle angebaut welche ermöglicht, ein breites Sport- und Trainingsangebot zu bieten und den Sportunterreicht intern zu erteilen. Im umgebauten Schulgebäude sind die interne Schule und der Technische Dienst untergebracht.

Schliesslich wurde im Frühjahr 2011 die alte Gärtnerei mit zugehörigem Wohnhaus komplett abgerissen und bereits im Herbst 2011 ein neuer, moderner Gärtnereibetrieb in Betrieb genommen.

Im Zuge der vielen Neu- und Umbauten stand als letztes Projekt die Neugestaltung der Umgebung an. Mit Beendigung dieses Projekts im Frühjahr 2012 wurde eine zehnjährige Bautätigkeit im Landheim Brüttisellen abgeschlossen.

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Haupthaus / Verwaltung

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Figürliche Ornamente

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Caspar Appenzeller / Gründer

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Historischer Festsaal